(Rezensionsexemplar)
Übersetzung: Christiane Quandt
„Das ganze Leben bereitete mir Schmerzen, und es gab keine Straße, die ich entlanggehen konnte, ohne dass eine beinahe unerträgliche Anspannung über mich kam.
Besonders die Straßen meiner Kindheit und Jugend.“
Portero entführt uns hier in das Leben einer Person, die im falschen Körper geboren wird und in einem Arbeiterviertel Madrids aufwächst. In den Achtzigern wird die Hauptstadt Spaniens zum Zentrum der queeren Szene, doch in den heruntergekommenen und von Drogen durchzogenen Straßen des abgelegenen Viertels herrscht eine raue und gewalttätige Realität. Hier ist der Tod ein ständiger Begleiter und Schwulenfeindlichkeit allgegenwärtig. In der eigenen Familie sind sich die Männer einig, ein homosexueller Sohn ist schlimmer als ein Drogensüchtiger. Ja, so flüchtet die Protagonistin in ihrer Kindheit in eine imaginäre Welt voller Mythen und Held*innen, um der harten Realität zu entkommen. Diese Fluchtfantasien sind ihr Trost und Schutzschild gegen die brutale Umgebung.
Als sie erwachsen wird, lebt sie nachts auf, taucht in die Welt der Bars und Tanzflächen ein, schminkt sich auf Toiletten, um die Nacht durchzutanzen. Doch am Ende jeder Nacht muss sie sich wieder abschminken und in die alte, verhasste Welt zurückkehren, in der sie sich verstellen muss und nicht sie selbst sein kann. Ihr Hass auf ihren Körper und ihre Umgebung ist tiefgreifend; sie sehnt sich danach, jemand anders zu sein.
Portero schreibt mit einer beeindruckenden sprachlichen Schönheit und roher Ehrlichkeit. Ja, sie zeigt eindrücklich, wie die Protagonistin sich verstellen muss, welche Verhaltensweisen und Einstellungen sie von den Männern ihrer Familie übernommen hat und wie tief sie in Selbstzweifeln versinkt. Diese schonungslose Darstellung zieht uns in die tiefen Abgründe der Ausweglosigkeit und Verlorenheit.
Auch die Figur Eugenia ist besonders gut beschrieben. Ihre Darstellung ist so lebendig und detailliert, dass sie mich bis in meine Träume begleitet hat.
Dieses Buch ist ein bewegendes, kraftvolles Werk, das mir gleich mehrmals das Herz gebrochen hat. Portero gelingt es, die Härte des Lebens in Madrids Arbeitervierteln und den Kampf um Selbstakzeptanz eindrucksvoll darzustellen. Es ist harter Tobak, aber unglaublich schön und eindringlich geschrieben. Ein Buch, das noch lange nach dem Lesen nachhallt.

